Die Unternehmensnachfolge gehört zu den großen Herausforderungen im deutschen Mittelstand. Nach der aktuellen Schätzung des IfM Bonn stehen in den Jahren 2026 bis 2030 rund 186.000 Unternehmen zur Übergabe an. Gleichzeitig zeigt die Studie: Die Zahl steigt trotz alternder Unternehmer nicht weiter an, sondern stagniert. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass sich die wirtschaftliche Situation vieler Unternehmen verschlechtert hat und Übernahmen aus Sicht potenzieller Nachfolger nicht immer attraktiv erscheinen.
Für Unternehmer ist das ein wichtiges Signal. Die Nachfolgefrage entscheidet sich nicht erst dann, wenn ein Käufer oder Nachfolger gefunden werden soll. Sie entscheidet sich deutlich früher - nämlich in der Frage, wie gut das Unternehmen vorbereitet, organisiert und übergabefähig ist.

Viele Unternehmen stehen zur Übergabe an - aber nicht jeder Betrieb ist automatisch attraktiv
Die IfM-Bonn-Studie betrachtet Unternehmensnachfolge ausdrücklich als Marktergebnis. Das bedeutet: Nicht nur die Seite des Übergebers zählt, sondern auch die Frage, ob sich eine Übernahme für potenzielle Nachfolger wirtschaftlich überhaupt lohnt.
Viele Unternehmer beschäftigen sich erst spät mit der Nachfolge und gehen davon aus, dass sich schon ein geeigneter Käufer oder Nachfolger finden wird. Tatsächlich hängt die Übergabefähigkeit aber stark davon ab, ob der Betrieb auch ohne den Inhaber funktionieren kann, ob Erträge stabil sind und ob der Käufer eine realistische Entwicklungsperspektive erkennt.
Dass laut IfM Bonn die stagnierende Zahl der Übergaben auch mit einer gesunkenen Übernahmeattraktivität zusammenhängt, unterstreicht genau dieses Problem.
Familieninterne Nachfolge bleibt wichtig - verliert aber an Gewicht
Lange galt die familieninterne Übergabe als Standardlösung. Sie ist auch heute noch die häufigste Form. Nach der Metaanalyse des IfM Bonn wurde gut die Hälfte der Familienunternehmen innerhalb der Familie übergeben, rund 17 % an Beschäftigte und rund 29 % an Externe.
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass familieninterne Nachfolgen in den Untersuchungen der letzten 15 Jahre leicht an Bedeutung verloren haben. Das spricht dafür, sich nicht zu spät mit alternativen Nachfolgelösungen zu beschäftigen.
Gerade wenn innerhalb der Familie keine klare Perspektive besteht, sollte früh geprüft werden, ob eine Übergabe an Mitarbeiter oder ein externer Verkauf sinnvoller ist.
Warum viele Nachfolgen nicht am Willen, sondern an der Vorbereitung scheitern
In der Praxis scheitert eine Nachfolge selten nur daran, dass kein Nachfolger da ist. Häufiger fehlt es an der Vorbereitung des Unternehmens. Wenn Entscheidungen, Kundenbeziehungen und Wissen stark an einer Person hängen, ist das Risiko für einen Nachfolger hoch.
Das IfM Bonn betont, dass Nachfolgeinteressierte nicht nur die bisherige wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch die künftigen Perspektiven eines Unternehmens bewerten. Daraus folgt direkt: Ein Betrieb muss so aufgestellt sein, dass er auch ohne den bisherigen Inhaber tragfähig und entwicklungsfähig erscheint.
Genau hier beginnt gute Nachfolgearbeit - mit klaren Verantwortlichkeiten, belastbaren Strukturen und einer geringeren Abhängigkeit vom Unternehmer.
Die wirtschaftliche Lage beeinflusst die Nachfolge stärker als viele denken
Die aktuelle Studie macht noch einen weiteren wichtigen Punkt deutlich: Die Zahl der anstehenden Übergaben steigt nicht einfach automatisch mit dem Alter der Unternehmer. Sie wird auch dadurch beeinflusst, ob Unternehmen aus Sicht potenzieller Käufer wirtschaftlich interessant genug sind.
Das IfM Bonn nennt hier ausdrücklich die verschlechterte Ertragslage vieler Unternehmen als Grund dafür, dass sich Übernahmen teilweise nicht mehr lohnen. Das ist eine wichtige Einordnung für alle, die ihre Nachfolge planen.
Es reicht deshalb nicht, nur einen Ausstiegszeitpunkt festzulegen. Unternehmer sollten sich frühzeitig fragen, wie attraktiv ihr Betrieb für einen internen oder externen Nachfolger tatsächlich ist - wirtschaftlich, organisatorisch und personell.
Was Unternehmer jetzt daraus ableiten sollten
Die Marktseite zeigt klar: Nachfolge ist kein Selbstläufer. Wer sein Unternehmen erfolgreich übergeben will, sollte nicht erst dann aktiv werden, wenn der Ruhestand kurz bevorsteht.
Worauf es jetzt ankommt: die eigene Nachfolge frühzeitig einplanen, den Betrieb unabhängig vom Inhaber aufstellen, die Form der Übergabe offen denken und das Unternehmen rechtzeitig auf eine spätere Übergabe vorbereiten.
Denn der eigentliche Engpass ist oft nicht die fehlende Zahl potenzieller Nachfolger, sondern ein Betrieb, der aus Käufersicht noch nicht ausreichend vorbereitet ist.
Fazit
Die Unternehmensnachfolge bleibt ein zentrales Thema im Mittelstand. Für 2026 bis 2030 erwartet das IfM Bonn rund 186.000 anstehende Übergaben in Deutschland. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Nachfolgefrage nicht nur vom Alter der Unternehmer abhängt, sondern auch davon, wie attraktiv ein Unternehmen für potenzielle Nachfolger ist.
Für Unternehmer heißt das vor allem: Wer frühzeitig beginnt, gewinnt Zeit, Optionen und Verhandlungsspielraum. Und genau das ist oft der entscheidende Unterschied zwischen einer schwierigen Suche und einer erfolgreich gestalteten Übergabe.
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Egal, ob du dich noch in der Orientierungsphase befindest oder bereits konkret über eine Übergabe nachdenkst: Eine erfolgreiche Nachfolge braucht Vorbereitung, Struktur und einen realistischen Blick auf dein Unternehmen.
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